Erzähl mir von Morgen, ohne gestern zu vergessen!
Von Michael Volkmer
Es sind die einfachen Dinge die unser Leben bereichern. Unsere Gedanken erfinden sich zu oft in unbezifferten Labyrinthen. Bedeutungslosigkeit empfindet jeder Geist, dessen Heim im Verborgenen liegt. Diese Leere zu überbrücken, scheint nicht jedem gegönnt, zumindest auf dem ersten Blick. In Chronologischen Abständen erzählt uns unser Dasein von jenen Geschichten, deren wir behutsam lauschen. Es ist der Hauch jener Winde, dessen Atem wir spüren, wenn sich unser innerstes in der Poesie neu erfindet.
Die Laternen erhellten bereits seit einiger Zeit die Straßen. Dunkelheit war eingekehrt und der Regen hielt inne. Ein leichter Wind fegte durch die Gassen, dessen Leben nun mit fortlaufender Zeit abnahm. Bäume die sich schier in einem Wettkampf gegenüber standen, bezirsten die Heimkehrenden, mit ihrer farbenfrohen Tracht. Und derer, denen die Fähigkeit aberkannt wurde, fanden sich als Laub auf den Gehwegen wieder. Die wenigen Menschen bedeckten sich im Schutze, soweit es ihnen Möglich war. Es waren nun die vielen bunten Lichter der Restaurants oder Bars , die zum Träumen einluden, um der Kälte zu entfliehen. Die bereits geschlossenen Geschäfte wollten einem in Erinnerung behalten, welche Besorgungen man doch am nächsten Tag zu erledigen hätte.
In jener Zeit, für die die meisten zur Ruhe bedacht, genoss David einen letzten Kaffee. Seine Gedanken hingen fest. Allein am Tisch, spazierte sein Blick in die Ferne. „Erzähl mir von Morgen, ohne Gestern zu vergessen“, stand in großer Schrift, nur wenige Meter von ihm entfernt, auf der gegenüberliegenden Seite. Es war ein Werbeschriftzug, der mit Ihm Kontakt aufnahm. Ein einziger Satz, dessen Klänge, David nun umfasste. Es erschien als wäre es eine Aufforderung mit einem Aufsatz zu beginnen. Doch wie sollte dieser beginnen? Welche Wortwahl wäre treffend bzw. dazu geeignet den Aufschrei zu verhindern. Doch viel mehr, wie sollte man von Morgen erzählen, wenn man gestern verloren ging und bis dato als vermisst galt? Man muss gestern verstehen, um frei im Morgen zu erwachen. Es sind schon seltsame Geschichten die uns das Leben diktiert. Oft weit davon entfernt die Farben jener Gemälde zu zelebrieren, zu oft scheinen Farben ausgetrocknet.
Noch immer ging Davids Blick hinaus. Für einen kurzen Moment schloss er die Augen und verließ jenen Raum, jenes Cafe in dem er saß. Raum und Zeit lagen nun in seinen Händen und er erlernte für wenige Sekunden das Fliegen. Zwar waren es in der Realität wenige Sekunden, doch in jener Welt in der David gleitete, waren es Ewigkeiten. Es war ein unbeschreibliches Gefühl den Boden unter sich zu verlieren und Geschehenes wieder zu entdecken. Doch er begann sich in seinen eigenen Träumen zu verlaufen. Orientierungslos durch wanderte David seine eigenen Träume,
„der Wind war eisig und durchlief die Straßen mit Kälte. Die Nacht war noch nicht ganz zu neige und der Morgen erst kurz vor dem Erwachen. Als ein Orientierungsloser Mann durch die Straßen schlenderte. Es erfühlte sich ein fremdartiges Bild. Irgendetwas deutete daraufhin, dass hier etwas nicht passte. Er schien als Fremdkörper jener Welt, die Ihn umgab. Selbst seine Schatten, im Lichte der Laternen, schien immer wieder zu versuchen ihren eignen Weg gehen zu wollen. Sein Blick war leer, so als hätte er jene Kunst verloren, seine Umgebung wahr zu nehmen! Verborgen schien ihm jener Halt, jener Halt der uns davor bewahren sollte, das wir erblinden und uns auf unseren wegen verliefen!
Doch auch er ging irgendwie seinen Weg, auch wenn es schien, ohne ein Ziel vor Augen.
In solchen Momente tauchen jene Fragen auf, Fragen nach jenem Schicksal, welches sich wohl dahinter verbergen mochte.
Es sind die Geschichten die das Leben schreibt, jene die einen fesseln. Da sie sich vor unseren Augen abspielen, sie sich gegenseitig vorlesen! Hin und wieder vereinen sie sich und schließen sich zu einem Kapitel.
Wenn man in die Augen jenes Mannes blickte, konnte man die Sehnsucht nach schlaf erkennen!
In mir tat sich ein merkwürdiges Gefühl auf! Es schien die Vorahnung vor etwas, etwas was mich in wenigen Sekunden schlagartig überwältigen würde. Es machte mich unsicher, den ich wusste nicht mit jenem umzugehen! Noch konnte ich es mir nicht erklären.
Je näher jener Mann auf mich zukam, desto so intensiver wurde jenes Empfinden. Es war die Angst die mich nun begann zu fesseln, mich umklammerte und mich zur Geisel seiner machte. Trotz der Kälte begann ich nun zu schwitzen. Mein Herz pochte, so als wüsste es was nun geschehen sollte.
Mehr und mehr wurde mir schwarz vor den Augen, nur noch verschwommen konnte ich meine Umwelt erkennen!
Ich konnte den Klang unaufhaltsamer Schritte, die immer näher auf mich zu kamen, vernehmen. In mir begann ich aufzugeben und entschloss mich meinem Schicksal zu stellen, Was hatte ich auch für eine andere Wahl. Es schien als hätte mir eine fremde Macht fesseln umgelegt.
Nun wurde es auch still. So als besäße jemand die Fähigkeit, jene Natur verstummen zu lassen. Kein Auto das durch die Straßen schlich. Ja selbst die Winde, die gerade eben noch durch die Gassen tobten, hüllten sich in Schweigen und nahmen eine Auszeit!
Plötzlich begann ein grelles Licht mich zu blenden, wie aus dem nichts und ohne sich bei mir vorzustellen.
Ich hielt meine Augen geschlossen, vielleicht war es auch nur ein leiser versuch Schutz zu finden. Wenn es auch lächerlich erschien. Und wenn all dies nicht reichen würde, erklang ein Kräzendes Laut meine Ohren zu betäuben.
In mir tauchten längst verschollene Bilder auf, Bilder die mein Leben wiederspiegelten. Bilder die meinen Weg beschrieben. All diese Erinnerungen schienen mich zu betäuben, mich in einer Gewissenweise zu beruhigen.
Jene ruhe dich sich in mir begann zu verbreiten, setzte sich nach außen, wieder herrschte auf den Straßen toten stille!
Ich selbst hielt meine Augen noch immer geschlossen, als sei dies mein Schutzschild vor dem Ungewissen! Was jedoch nicht verhindern konnte, das mein Körper von der einen auf die andere Sekunde, zusammen zuckte. Denn in diesem Augenblick spürte ich wie jemand die Hand auf meine schultern legte. Mein ganzer Körper begann zu zittern, vorbei war es mit all dem Glauben, der sich in mir verbreitete.
Ohne dass ein Wort fiel, wurde ich aufgefordert meine Augen zu öffnen. Ich konnte mich so sehr wehren wie ich wollte, es nützte nichts! Ich erlag jener fremden Macht, die meiner überlegen war. Langsam begannen sich meine Augen zu öffnen. Zunächst schien noch immer alles verschwommen, lediglich jenes grelle Licht war verschwunden. Nur schwerlich erblickte ich mein Gegenüber.
Mehr und mehr konnte ich die Gesichtszüge erkennen, die mir immer vertrauter wurden. Bis ich sah wessen mir gegenüberstand. Ich konnte keine Angst Verspüren, auch wenn es meine Körper gewollt hätte! Auch konnte ich meinen Blick nicht von jenem Menschen lassen, oder war es doch ein Geist?
Da was ich dann sah, konnte nicht sein! Still und leise vernahm ich jene Stimme. Doch jene worte die zu mir sprachen, konnte ich nicht verstehen, so als würden sie in einer geheimen Sprache auf mich niederprasseln.
Die Augen in die ich dabei blickte, waren jene aus denen ich sah! Denn ich stand mir selbst gegenüber, stand mir selbst im Weg. Doch bevor ich richtig begriff schwanden meine Erinnerungen und ich begann mich zu verlieren, während die Feder meines Schicksals ihrer Erkenntnis mächtig wurde. Und so begann ich mich in den Schätzen jener Wörter die mir mein Herz diktierte zu verschlüsseln.“

